Freitag / Samstag 9. / 10. 1. 2004
Nach langer Planung, ständiger Terminverschiebung wegen SARS und chinesischen
Prüfungsterminen, Zusatzproben und Übungsstress ist es im Januar 2004 endlich soweit:
Die Band der Gesamtschule Bonn-Beuel bricht auf `gen Osten und wagt den Besuch der
Partnerschule in Chengdu, China.
Für die 27 Tourmitglieder macht der strömende Regen am Siegburger ICE Bahnhof den
Abschied leicht. Bepackt mit Koffern und Instrumenten checken wir am Frankfurter Flughafen
ein. Rolf muss wegen dicker Sohlen seine verdächtigen Schuhe ausziehen und auch sein
technisches Sammelsurium im Videokoffer erregt Argwohn. Sonst geht alles planmäßig und
dann heben wir ab . Für einige Schüler ist es der erste Flug und die Aufregung entsprechend
groß.
Beim Zwischenstopp in Peking wird das übernächtigte Volk dann endgültig vom ausgefallenen
Schlaf übermannt und zweieinhalb Stunden später nach insgesamt etwa 21 Stunden Reisezeit
empfängt uns Andy mit Gefolge am Flughafen und bringt uns zur Shude- Highschool, wo wir
mit unseren Familien zusammentreffen. Die armen Leute warten schon seit Stunden auf uns,
denn der Anschlussflug hatte sich erheblich verzögert und der Feierabendverkehr in Chengdu
lässt uns schon am ersten Abend ahnen, dass wir uns in einer asiatischen Großstadt
gigantischen Ausmaßes befinden, in der slabber`sche Verkehrserziehung nur unzureichend
umgesetzt wird.
Mit riesigen Blumenbouquets für unseren Empfang sitzen die
Gastfamilien im Versammlungsraum der Schule und man spürt, dass
sie genau so gespannt auf ihren zugeteilten Gast sind wie wir . Eine
kurze Ansprache, dann verlassen alle nach und nach die Schule ins
Ungewisse. Es ist schon sehr spannend und morgen steht uns ein
ganzer Tag am Busen der neuen Familie bevor.
Gegen 23 Uhr liege ich in einem netten kleinen Zimmer in einem riesigen Bett bei freundlichen
Leuten im achten Stock eines riesigen Hochhauskomplexes und rekapituliere:
Lai Yang, die Tochter des Hauses, spricht gut Englisch und redet ohne Unterlass, um mich zu
unterhalten. “Meine “ Mutter kann nur chinesisch, aber der Vater beherrscht
ebenfalls Englisch und übersetzt unsere Unterhaltung geduldig für seine Frau.
Die Wohnung ist das, was ich mir unter “chinesisch-chic” vorstelle;
in weiß- schwarz gehalten, rote Vase mit gelben Zweigblüten, Glastisch,
Glasvitrinen mit Bronzemasken, unaufdringlich edel. Das Bad mit Bodentoilette ist
klein und gewöhnungsbedürftig, aber es steht mir allein zur Verfügung. Die
Eingliederung in die Familie wirkte zwanglos und unkompliziert, die “Kleine”
(fast 16) ist äußerst liebenswert und ich habe Lust, sie in den Arm zu
nehmen - vorher muss ich aber endlich schlafen.